Die 5 Linden
 

 

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Die 5 Linden

 

Im Dezember 2000 hat der Sturm «Lothar» die mächtigen alten Linden auf dem
ehemaligen Gerichtsplatz gefällt. «Der mit Gaunerblut getränkte Boden, ein
ehemaliger Friedhof für verscharrte arme Seelen, bekam einen Gedenkstein.»

Die Tafel auf dem Gedenkstein zeigt den Kopf des
geköpften Bernhart Matter und weist in wenigen
Sätzen auf die Bedeutung des Platzes und der

Hinrichtung hin. Auf dem Sockel sind das Wappen
von Lenzburg, das Aargauer Kantonswappen, das
Richtschwert und die schief hängende Waage der
Justitia platziert. Das Leben von Bernhart Matter:
Geboren im Februar 1821 in Muhen, zahlreichen
Ein- und Ausbrüche und einem Auswanderungsver-
such nach Amerika bis zu seiner Hinrichtung im Alter
von 33 Jahren, 3 Monaten und 3 Tagen.
Bernhart Matter wurde «Unter den fünf Linden»
in Lenzburg am 24. Mai 1854 von Scharfrichter
Franz Josef Mengis von Rheinfelden geköpft –
ein schauerliches Spektakel mit vielen Zuschauern
und gleichzeitig die letzte öffentliche Hinrichtung
im Aargau.

Gut 10 Jahre nach Matters Tod wurde die Strafanstalt Lenzburg
eröffnet, wo beispielhaft für den europäischen Kontinent – der
progressive Strafvollzug eingeführt wurde. An all dies soll der
Gedenkstein unter den fünf Linden (neu gepflanzt) in Lenzburg
erinnern.

 

"Der Fünflindenspuk"

An der Strasse von Lenzburg nach Hunzenschwil stehen fünf Linden. Hier war einst
die Richtstätte des Amtes Lenzburg. Davon wussten natürlich die Leute in den
Umliegenden Ortschaften, und darum gingen die Lenzburger abends höchstens bis
zum Wegweiser, wo die Strasse nach Schafisheim abbog. Und die Bauern aus
Staufen, deren Felder in der Nähe der Linden lagen, packten schleunigst Karst
und Sense zusammen, wenn vom Staufberg her die Abendglocken läuteten.
Einst kam ein Handwerksbursche die lange Strasse gegangen. Wie er an den Linden
vorübergehen wollte, trat plötzlich aus dem Schatten ein baumlanger Kerl hervor.
Er hatte Hände so gross wie Schaufeln, und von den Handgelenken hingen
zerbrochene Ketten herab. Auch um die Fussgelenke waren Eisen gespannt, die aber
aufgebogen waren. Stumm glotzte der Kerl den Handwerksburschen an. Diesem
schlug das Herz wild in der Brust. Er hielt es für besser, dem unheimlichen Mann
guten Abend zu sagen. Die Schattengestalt grüsste zurück. Der Gegengruss klang
jedoch gequält aus der Kehle, die von einem Stück umspannt war. Wie der
Handwerksbursche die glasigen Augen sah, lief es ihm kalt über den Rücken. Er
machte sich eilends davon. Erst beim Wegkreuz blickte er nochmals zurück. Es war
ihm, als käme der Kerl hinter ihm her. Der Handwerksbursche lief spornstreichs dem
Städtchen zu. Erst beim Wirtshaus zum Sternen machte er halt.
Als der junge Mann in der Wirtsstube von seinem Erlebnis bei den Fünflinden
erzählte, lachte man ihn aus. Jeder Lenzburger wusste, dass jener Unheimliche der
Ein- und Ausbrecher Bernhart Matter gewesen war, den man seinerzeit bei den
Fünflinden enthauptet hatte.

(aus: http://www.webmuseum.ch/Diversikum/Aargaugeo/Sagen/sage2.cfm )


"Fünflindenspuk"

Ich has bis iez no niene gsäit, has still i myr in umeträit: Lueg, immer, wäni d Linde
gsee, so wirds mr äifach wind und wee.
Ich ha halt scho hie und doo vo dene Bäume bbrichte loo. Und wer nüd wäiss, de
goot verby und loot die Linde Linde sy. -
Im grosse Fäld, wo zimli wyt ewegg vom alte Stättli lyt, stönds a dr Strooss und
halted Wacht, joory, jooruus, bi Tag und Nacht.
Dr «alti Richtplatz» häisst die Stell. Dohee hätt mänge ruuche Gsell syn letschte
Gang im Läbe too: mr hättm lo de Chopf abschloo! -
Und wenn derTag go schloofe goot und bald de Mond am Himmel stoot, so wached
ali Köpfte n uuf, gönd um de Platz und tüend käin Schnuuf.
Und jede träit - das Gott erbaarm! - dr äignig Chopf underem Arm. Zwäi gföörchig
Auge glozed druus; er schnyt es Gsicht, es isch en Gruus! -
Gäll, du begryfsch es iez, worum ich immer s Gruusle n überchumm, und dass mr
äifach wind und wee will werde, wäni d Linde gsee. -
Und doch, ich muess drs eerlich gschtoo: da Bychte hätt es Wunder too. Es isch mr
iez ganz anders zMuet: Lueg, s Rede isch doch mängsmool guet.

(aus: Sagen und Spukgeschichten rund um das Schloss Lenzburg,
AT Verlag Aarau Stuttgart, 1979)

 

Stand: 31.12.15